Navigation
Vorheriger Artikel: Energie­effizienz als Wettbewerbs­faktor Nächster Artikel: Speicher-Boom: Mehr als nur Batterien

Rettung auf hoher See

Wenn es offshore ernst wird, zählt jede Sekunde. Eine einheitliche Rettungskette wie an Land gibt es bisher nicht. Daher haben sich die Betreiber vierer Nordsee-Windparks zusammengetan – für den deutschlandweit ersten betreiberübergreifenden Notfall-Rettungsplan. Wir zeigen, wie es auf hoher See sicherer wird.

Zitat Irina Lucke
„Offshore ist noch in der Entwicklungsphase, so dass eine betreiberübergreifende Kooperation, insbesondere im Bereich Rettung, für alle großen Mehrwert schafft. Aus diesem Grund haben wir bei der Entwicklung der Rettungskette auf den Austausch unter offshore-Experten und Rettungsspezialisten gesetzt“
Irina Lucke, Geschäftsführerin EWE Offshore Service & Solutions GmbH

Hoch im Norden, da windet es sehr. Aus diesem Grund setzen die Energieversorger im Nordwesten Deutschlands auf die Windkraft. Besonders ertragreich sind die Windriesen auf offenem Meer. Hier, fernab vom Küstenland, weht der Wind stetig und stärker als an Land. Doch die Wetterverhältnisse auf hoher See bringen nicht nur Vorteile mit sich.

Vier Windparks - ein Rettungskonzept

Offshore-Windparks werden vom Festland aus betrieben. Jeder Windpark hat eine Betriebs- und Leitwarte, von wo aus die Betriebsführer die kilometerweit entfernten Anlagen kontrollieren und steuern. Einsätze vor Ort sind dennoch ein Muss.

In schwindelerregender Höhe von bis zu 100 m – soweit ragen die Windräder-Masten aus dem Wasser – warten, prüfen und reparieren Techniker die offshore-Anlagen. Sicherheit ist dabei das oberste Gebot, doch einen standardisierten Notfallplan wie an Land mit der zentralen Notrufnummer 112 gibt es offshore noch nicht. Die Betreibergesellschaften sind daher selbst für die Notfallversorgung verantwortlich und müssen sich privat organisieren. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, haben die Betreiber von vier der inzwischen insgesamt 19 deutschen Hochsee-Windparks eine bislang einzigartige Rettungskette geschaffen. Abgedeckt davon sind die Parks Riffgat (EWE), alpha ventus (DOTI, Betriebsführung EWE), Global Tech I (Global Tech I Offshore) und Trianel Windpark Borkum (Trianel).

Im Überblick - erste Rettungskette für Offshore-Windparks

Im Überblick - erste Rettungskette für Offshore-Windparks Vergrößern Hier klicken zum Vergrößern

Im Überblick - erste Rettungskette für Offshore-Windparks

Im Überblick - erste Rettungskette für Offshore-Windparks

Erste Hilfe bei Wind und Wetter

In Berne bei Bremen sitzt die Rettungsleitstelle VENTUSmedic, die die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt. Im Falle eines offshore-Notrufs, laufen hier alle Informationen zusammen. Die Rettungsassistenten sind allzeit bereit: 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Von Berne aus ziehen sie die Fäden für die umgehende medizinische Erstversorgung, den anschließenden Weitertransport der Patienten an Land sowie deren Aufnahme in ein Krankenhaus. Kommt es zu einem Notfall, informieren die Windpark-Betriebswarten die Rettungsleitstelle. Sie koordiniert nun alle nötigen Rettungsteams. Im stetigen Austausch mit den Experten verschaffen sich die Assistenten aus Berne einen Überblick über die Notfall-Situation und weisen die Helfer an. Je nach Ausmaß der Schadenslage ziehen sie die Seenotleitung Bremen (Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) Bremen) sowie das Havariekommando mit Sitz in Cuxhaven hinzu.

Entsprechend veranlassen die Rettungsassistenten auch den Einsatz des Offshore-Helikopters. Dabei setzen sie mit Northern HeliCopter aus Emden auf Hubschrauber mit allen notwendigen medizinischen Vorrichtungen. „Der Helikopter ist neben zwei Piloten mit einem Windenführer (HOIST Operator) sowie einem zum Höhenretter ausgebildeten Rettungsassistenten und einem Notarzt besetzt. Das ermöglicht eine Rettung von Verletzten auch an schwer zugänglichen Windkraftanlagen und eine notfallmedizinische Intensiv-Versorgung während des Fluges“, erklärt Jürgen Hepper, Abteilungsleiter Technische Betriebsführung des Trianel Windparks Borkum. Den Arzt stellt das Klinikum Oldenburg, das für die notfallärztliche Leitung zuständig ist. Die Rettungsassistenten kommen von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Je nach Wetterverhältnissen können die Ersthelfer die Windparks auch per Schiff erreichen. Sicher ist sicher.

Irina Lucke, Geschäftsführerin EWE Offshore Service & Solutions und Initiatorin der Kooperation, hält die umfassende Rettungskette für einen wichtigen Schritt, um den Mitarbeitern auch in Zukunft bestmögliche Sicherheitsstandards zu gewährleisten: „Für alle Partner-Unternehmen hat die Sicherheit der Mitarbeiter oberste Priorität. Das gemeinsame Konzept bietet die Möglichkeit für weitere Kooperationen, um die Arbeit auf den Nord- und Ostsee-Windparks künftig noch sicherer zu machen.“

Pionierarbeit für Offshore- Windkraft

Rettung auf hoher See

Die EWE Offshore Service & Solutions GmbH hat das Projekt der gemeinsamen Rettungskette ins Leben gerufen. Als Konsortialführer betreibt EWE seit 2010 den ersten deutschen Windpark auf dem offenen Meer, alpha ventus. Mit Riffgat hat EWE 2013 den ersten kommerziellen offshore-Windpark in der deutschen Nordsee in Betrieb genommen. Beide Windparks versorgen inzwischen um die 190.000 Haushalte mit Strom.

Wie fanden Sie diesen Artikel?

11 Bewertungen
Vorheriger Artikel: Energie­effizienz als Wettbewerbs­faktor
Nächster Artikel: Speicher-Boom: Mehr als nur Batterien