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Offshore: Rückenwind für den Norden

Der neue Windpark Riffgat vor Borkum kann Ökostrom für 120.000 Haushalte verlässlich erzeugen. Damit das reibungslos funktioniert und die Energie bei den Haushalten ankommt, braucht es Experten an Land. Eine kleine Tour durch die Offshore-Region Nordwestdeutschland.

Zitat Irina Lucke
„Weil der Wind auf hoher See fast immer weht, sind Offshore-Windparks die beste Möglichkeit, rund um die Uhr große Mengen Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Damit das gelingt, muss auch an Land Vieles ineinander greifen. Das betrifft nicht nur Betrieb und Wartung der Anlagen. Auch der zügige Ausbau der Stromnetze und ein sinnvoll gestalteter Energiemarkt sind entscheidend dafür, dass Offshore-Parks der Energiewende Rückenwind geben können."
Irina Lucke, Geschäftsführerin EWE Offshore Services & Solutions und Technische Projektleiterin Riffgat

Und sie bewegt sich: Nach 15 Minuten erreicht das erste von 30 Windrädern, die 15 km vor Borkum aufragen, seine Leistung von 3,6 Megawatt. Nachdem der Offshore-Park Riffgat ans Netz angeschlossen wurde, wird Turbine um Turbine in Betrieb genommen. An diesem regnerischen Wintertag produziert Riffgat selbst mit erst einem Windrad so viel Strom pro Viertelstunde, wie ein deutscher Haushalt in einem Vierteljahr verbraucht – und schon am ersten Tag drehen sich zwei weitere Anlagen.

Dafür, dass schließlich rund 120.000 Haushalte mit dem Ökostrom von hoher See versorgt werden können, sorgen Menschen an Land. Wir zeigen, wo und wie:

Offshore Windpark Riffgat / Stützpunkte für den Betrieb

Offshore Windpark Riffgat / Stützpunkte für den Betrieb Vergrößern Hier klicken zum Vergrößern

Offshore Windpark Riffgat / Stützpunkte für den Betrieb

Offshore Windpark Riffgat / Stützpunkte für den Betrieb

Norden – Steuerung des Parks per Mausklick

Gut 50 Kilometer entfernt von Riffgat freut sich Tjado de Groot in der ostfriesischen Stadt Norden über den Start. Hier steuern 14 Mitarbeiter von EWE Offshore Services & Solutions an ihren Rechnern und Stellpulten den neuen Park sowie seinen älteren Bruder, den ersten deutschen Hochsee-Windpark alpha ventus.

Möglich machen das schnelle Internetanschlüsse an allen Komponenten der Windparks. Wie der Wind weht, wie viel die Windräder produzieren, ob sie korrekt laufen und wie die Lage im unbemannten Umspannwerk ist, haben de Groot und seine Kollegen damit fest im Blick – und können jederzeit eingreifen. Lässt sich etwas nicht ferngesteuert erledigen, werden aus dem Büro in Norden alle Arbeiten im Park koordiniert.

Borkum – Leinen los für den Einsatz auf See

Die Arbeit an einem Hochsee-Windpark ist nichts für Anfänger: Die gigantischen Anlagen – der Durchmesser der Rotoren beträgt 120 Meter – stehen in rund 20 Meter Wassertiefe in der Nordsee, die für ihren heftigen Wind ebenso berüchtigt ist wie für Regenfälle, die die Sicht rauben. Müssen Techniker zu Riffgat heraus, schlägt die Stunde der Spezialisten auf Borkum: Es ist ihre Aufgabe, die Mitarbeiter von EWE und den Herstellerfirmen sicher zu Riffgat zu bringen, für Unterwasserarbeiten begleitet von den Tauchern der Borkumer RS Diving.

Dafür liegt der eigens zu diesem Zweck entwickelte Katamaran Wind Force II vor Anker. Binnen 40 Minuten fährt Kapitän Stefan Meyer der Norddeicher Reederei Frisia Offshore seine Gäste in den Park, in dem die Schifffahrt sonst bis auf kleine Boote verboten ist. Für schnelle Personentransporte hält Helicopter Travel Munich auf der Nordseeinsel einen Hubschrauber bereit.

Helgoland – schnelle Hilfe im Fall der Fälle

Jede Sekunde zählt vor allem dann, wenn etwas schief läuft. Obwohl Unfälle auf Grund akribischer Sicherheitsvorkehrungen selten sind, bleibt die Arbeit auf hoher See riskant. Um im Fall der Fälle keine Zeit zu verlieren, hält sich auf Helgoland rund um die Uhr das Rettungsteam von Northern Helicopter bereit: Piloten, Ärzte, Rettungsassistenten und Spezialisten für das Abseilen aus Hubschraubern und die Bergung aus der Luft sind darauf eingespielt, binnen kürzester Zeit an der Unfallstelle zu sein und bereits vor Ort Hilfe zu leisten.

Emden und Oldenburg – der Strom kommt zu den Menschen

Bei aller Faszination für das Abenteuer Hochsee – damit die Energiewende vorankommt, muss der Windstrom zu den Menschen an Land gelangen. Dafür sorgt ein Hochspannungskabel, dass der Netzbetreiber TenneT über 50 km Länge unter dem Meer und weitere 30 km an Land verlegt hat. Die Ernte von Riffgat fließt so zum Umspannwerk Emden-Borssum, wo sie in das deutsche Stromnetz integriert wird.

Hier schwenken wir in die Oldenburger Leitstelle von EWE NETZ: In einem gesicherten Kontrollcentrum, das an die Brücke eines Raumschiffs erinnert, haben die Mitarbeiter rund um die Uhr ein wachsames Auge auf über 150 Umspannwerke und 600 weitere wichtigen Knotenpunkte im Stromnetz von EWE, die mit präziser Steuer-, Mess- und Meldetechnik ausgestattet sind. So wissen sie stets, wie viel Strom an den Orten der Region benötigt wird und führen ihn von der „Autobahn“ der Hochspannungsnetze herunter über die „Landstraßen“ der Mittel- und die „Ortsstraßen“ der Niederspannungsnetze zu den Haushalten und Betrieben.

Ein Job, der höchste Aufmerksamkeit und anspruchsvolle Technik erfordert – denn alle Ebenen des Netzes müssen laufend beobachtet werden, damit Stromausfälle die absolute Ausnahme bleiben und der Ökostrom, der auf See reichlich und verlässlich erzeugt werden kann, auf einen Druck des Lichtschalters bereitsteht.

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