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Energiewende und Naturschutz im Einklang

Es dreht sich was am Horizont: Die wachsende Zahl an Windrädern in Deutschland zeugt vom Fortschreiten der Energiewende. Emissionsfrei und nachhaltig – aber immer noch ein Eingriff in die Umwelt. Ausgleichsflächen für Tiere und Pfanzen möchten gewährleisten, dass grüne Energie wirklich naturverträglich ist. 

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„Windenergie und Naturschutz lassen sich mit durchdachten Ausgleichsmaßnahmen gut in Einklang bringen. Ich sehe die Energiewende als Teil des Klimaschutzes – wenn die Erderwärmung weiter voranschreitet, sind auch viele hiesige Arten gefährdet.“
Volker Moritz, Diplom- Biologe

75 Hektar Fläche, bewirtschaftet mit Mais, Rüben und Kartoffeln – auf dem Gelände rechts und links der Landstraße zwischen Oldenburg und Hatten hat der Wind freie Fahrt. Seit Ende 2015 baut EWE deshalb hier einen Windpark, an dem sich auch Bürger beteiligen können. Noch bevor die ersten der acht geplanten Windmühlen in die Höhe wachsen, kümmern sich Experten um die Bedürfnisse der dortigen Fauna und Flora.

Was fliegt denn da?

Der Biologe Volker Moritz und sein Team haben lange vor Baubeginn untersucht, welche Tiere auf dem Areal leben. „Bereits in der Planungsphase waren wir regelmäßig auf den Feldern unterwegs. Wir haben die dort lebenden Vogelarten und deren Anzahl dokumentiert und dann analysiert, wie sich der Windpark auf ihre Lebensräume auswirkt.“ Auf den Feldern tummeln sich u. a. Wachteln, Kiebitze und Feldlerchen. Nachts machen dort Fledermäuse Jagd auf Insekten. Für diese Tiere sollen rund um den Windpark attraktive Ausweich-Lebensräume entstehen. Volker Moritz erläutert: „Die neu gestalteten Bereiche sollen z. B. die Vögel animieren, ihren Nachwuchs abseits des Baugeschehens auszubrüten und großzuziehen. In den Lebensräumen, die wir dort anbieten, haben die Tiere während der Bauphase Ruhe vor Baggern und Kränen, und langfristig auch vor den Erntemaschinen.“

Wasser wertet Lebensraum auf

Rund 600 Meter vom Windpark entfernt sind Anfang des Jahres drei Blänken angelegt worden – das sind größere Tümpel mit einer Wassertiefe von maximal einem Meter. In den feuchten Uferbereichen finden z. B. Kiebitze optimale Bedingungen für die Nahrungssuche. Volker Moritz ist überzeugt, dass die neuen Wasserflächen als Bade-, Trink- oder Schlafplatz noch weitere Arten anziehen werden.
Auch an Lebewesen mit anderen Bedürfnissen wird bei der Anlage der Ausgleichsflächen gedacht: Neben feuchten Grünlandbereichen gibt es trockene Areale. Hier können Wachteln brüten und Feldlerchen finden Staubbadestellen für die Pflege ihres  Gefieders.

Naturschutz und Energiewende im Einklang

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Naturschutz und Energiewende im Einklang

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Schlaue Technik für Fledermäuse

Wenn der Tag sich für Kiebitz, Feldlerche und Wachtel dem Ende entgegen neigt, gehen in Hatten die Fledermäuse auf Jagd. Sie sind vor allem in warmen, trockenen Nächten mit wenig Wind unterwegs. Damit die seltenen Flugsäuger nicht mit den Flügeln der Windmühlen kollidieren, werden die Anlagen bei solchen Wetterlagen abgeschaltet. Bauherr EWE wird alle acht Mühlen des neuen Windparks mit speziellen Fledermaus-Modulen ausstatten. Diese intelligenten Steuereinheiten sind mit den Messgeräten der Windenergieanlage vernetzt und können das Windrad automatisch anhalten. Unterstützt wird die Fledermaus-Population in Hatten außerdem durch die Installation von speziellen Kästen in einem nahegelegenen Waldstück. In diesen Quartieren können die Fledermäuse tagsüber geschützt vor Wind, Wetter und Kälte ruhen und auch überwintern.  

Die Ausgleichsmaßnahmen für den Windpark Hatten erstrecken sich nicht nur auf die Tierwelt: Alle Bäume und Hecken, die für den Bau von Wegen und Kabelgräben weichen mussten, werden an anderer Stelle neu gepflanzt. „Weil vor allem blühende Gehölze Lebensräume für Insekten bieten, entstehen so abseits des Windparks neue Nahrungsquellen für Fledermäuse und Vögel. Zudem bereichern die Gehölze das Landschaftsbild“, unterstreicht Volker Moritz. Der Biologe behält Flora und Fauna im Windpark Hatten weiter im Blick: Er achtet darauf, dass die Baumaßnahmen naturverträglich ablaufen und untersucht in den kommenden Jahren, wie die Ausgleichsräume von Vögeln und Fledermäusen angenommen werden.

Sanfter ökologischer Fußabdruck

Windkraft ist besonders nachhaltig: Die Bodenversiegelung durch die Masten ist minimal. Sie können nach 20 bis 30 Jahren wieder abgebaut werden, ohne bleibende Schäden oder eine Strahlen- bzw. Giftmüllbelastung zu hinterlassen. Die Energie, die für den Bau eines Windrads benötigt wird, hat die Anlage bereits nach drei bis sechs Monaten Betrieb wieder erwirtschaftet. 

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