Navigation
Vorheriger Artikel: Elektro­mobilität: Die Energie­wende geht auf die Straße Nächster Artikel: Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab

Die Energiewende – eine Schönheit vom Land

Die Energiewende mischt die Karten der Energieversorgung neu. Gewinner sind besonders viele ländliche Regionen – und die Bürger. Unterm Strich steht ein Plus für ganz Deutschland. Wir ziehen eine kleine Zwischenbilanz.

Michael Klueser
„Ein Beispiel, wie die Energiewende Wertschöpfung in der Region schafft, findet man in Neu-Wulmstorf, wo wir eine Wärmeversorgung mit Biogas leisten: Das Gas wird in der Nähe mit regionalen Rohstoffen erzeugt und im Ort in einem Blockheizkraftwerk verfeuert. Über ein Nahwärmenetz nutzen Schule, Verwaltung und Betriebe die Wärme direkt, während der Strom eingespeist und vermarktet wird."
Michael Klüser, Leiter EWE-Geschäftsregion Bremervörde/Seevetal

Die Energiewende mischt die Karten der Energieversorgung neu. Wind, Sonne und Biogas geben insbesondere ländlichen Regionen wirtschaftlich Rückenwind – und viele Bürger sind selbst unter die Energieversorger gegangen. Wir ziehen eine kleine Zwischenbilanz.

Wer die Energiewende in Aktion beobachten will, muss etwas reisen. Er findet sie nicht in Flughafennähe, in Großstädten und Ballungsgebieten. Oft nicht einmal in Bahnhofsnähe. Wer die Energiewende in Aktion erleben möchte, muss raus aufs Land. Hier ist der Platz für Windparks – und gerade an der Küste auch die richtige Witterung dafür. Hier liefert die Landwirtschaft Rohstoffe für Biogasanlagen, während Südhänge und Inseln optimale Bedingungen für große Solaranlagen bieten. Auch ein Großteil des Aus- und Umbaus der Netze findet daher auf dem Land statt, um die grüne Energie aufzunehmen und in die Städte zu transportieren.

Neue Arbeitsteilung – Energie zieht ins Grüne

Damit krempelt die Energiewende die Arbeitsteilung in der Energieversorgung um: die Großkraftwerke, die bislang den Strom hergestellt und auf „Einbahnstraßen“ ins ganze Land geschickt haben, stehen in Städten und Ballungsgebieten mit viel Industrie. Dort streitet man deshalb öfter über den Trend zum Ökostrom – schließlich werden hier Kraftwerke geschlossen, manche Jobs und Erträge fallen weg.

Auf dem Land hingegen blühen neue Wirtschaftszweige – gerade auch in Gegenden, die mancher schon abgeschrieben hatte. Vergleicht man die Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl der Bundesländer mit ihren Einnahmen aus erneuerbaren Energien, wird klar: mit der Energiewende gewinnen Gegenden mit niedriger Bevölkerungsdichte, also viel Platz – oft gerade solche Regionen, die bislang wirtschaftlich schwächer waren.

Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab

Woher kommt eigentlich der Ökostrom in Deutschland und wohin fließen die Einnahmen daraus? Die Karte zeigt: die Energiewende passiert häufig dort, wo weniger Menschen wohnen - und hilft einigen wirtschaftlich schwächeren Gegenden.

Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab Vergrößern Hier klicken zum Vergrößern

Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab

Woher kommt eigentlich der Ökostrom in Deutschland und wohin fließen die Einnahmen daraus? Die Karte zeigt: die Energiewende passiert häufig dort, wo weniger Menschen wohnen - und hilft einigen wirtschaftlich schwächeren Gegenden.

Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab

Neue Lebenskraft für ländliche Regionen – Gewinne, Jobs und Perspektiven

Gerade für sie ist die Energiewende eine enorme Chance – denn es geht um viel Geld und viele Jobs. Deutschlandweit wurde Strom aus erneuerbaren Energien 2014 mit über 40 Milliarden Euro gefördert. Weitere 14,4 Milliarden wurden durch Bau und Betrieb der Anlagen erwirtschaftet. Alleine für die EWE-Stammregion im Nordwesten entsteht so ein Impuls von deutlich über 3 Milliarden Euro – pro Jahr!

Nicht einmal eingerechnet sind dabei die hunderttausenden neuen Jobs durch die Herstellung, Installation und den Betrieb von Wind-, Solar- und Biogasanlagen, die nötigen Arbeiten an den Stromnetzen und die Vermarktung des Ökostroms. Die zusätzlichen Einnahmen, die zum Beispiel ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einem Windpark und einer Biogasanlage hat, sichern darüber hinaus viele weitere Stellen – vom Azubi bis zum Geschäftsführer.

In zahlreichen ländlichen Gegenden hat sich so der Wind gedreht: Wo Menschen in die Städte wegzogen, Betriebe schließen mussten, weil es immer weniger Kunden gab, und damit Jobs weiter rar wurden, boomt nun die regionale Wirtschaft. Das wiederum ist ein guter Grund, nicht wegzuziehen – oder sogar zurückzukommen.

Erneuerbare Energien beleben die Wirtschaft

Die Energiewende kostet Geld – aber sie belebt auch die Wirtschaft: Vom Windkrafthersteller über den Landwirt, der Biomasse liefert, bis zum Handwerker, der Solaranlagen reinigt, entsteht neue Wertschöpfung.

Erneuerbare Energien beleben die Wirtschaft Vergrößern Hier klicken zum Vergrößern

Erneuerbare Energien beleben die Wirtschaft

Die Energiewende kostet Geld – aber sie belebt auch die Wirtschaft: Vom Windkrafthersteller über den Landwirt, der Biomasse liefert, bis zum Handwerker, der Solaranlagen reinigt, entsteht neue Wertschöpfung.

Erneuerbare Energien beleben die Wirtschaft

Energiewende in Bürgerhand – heute schon ganz normal

Ist die Energiewende also – böse ausgedrückt – nur ein Förderprogramm für die Provinz? Dieser Einwurf greift viel zu kurz, denn die Gewinner sind nicht nur die ländlichen Regionen, sondern in erster Linie die Bürger: Waren Strom- und Wärmeversorgung traditionell in der Hand kommunaler Stadtwerke und größerer Konzerne, gehören 47 Prozent der Ökoenergie in Deutschland den Bürgern – sei es als Einzelperson, Genossenschaft oder Fonds in Bürgerhand.

Damit haben sich Bürger, die vorher an der Energieversorgung gar nicht beteiligt waren, binnen 15 Jahren einen rund viermal so großen Anteil am Energiewende-Kuchen gesichert wie die großen Energieunternehmen – und verantworten bereits 14 Prozent der gesamten Stromversorgung in Deutschland.

Die Einkünfte aus der Energieerzeugung fließen so nicht länger nur Unternehmen zu, sondern immer mehr Privatleuten – im EWE-Gebiet zwischen Ems, Weser und Elbe sind das statistisch über 600 Millionen Euro im Jahr. Davon profitiert auch, wer nicht selbst unter die Ökostrom-Betreiber gegangen ist: Wer mehr Einnahmen hat, gibt in den Geschäften der Umgebung mehr Geld aus und zahlt mehr Steuern, mit denen die Kommunen Schulen, Schwimmbäder und vieles Weitere finanzieren.

HANDWERKER SOLAR

Die Energiewende – unterm Strich ein Geschäft mit Gewinn

Manche Städte ärgern sich, während der ländliche Raum aufblüht; die Gewinne großer Energiekonzerne gehen zurück, während viele Bürger neue Einnahmen haben…am Ende einfach eine Umverteilung? Nein, die Energiewende ist deutlich mehr als das, meinen Experten der Institute Prognos, GWS und EWI. Sie haben untersucht, wie sich der Umbau der Energieversorgung auf Deutschland auswirkt, und sind zu dem Schluss gekommen: unterm Strich ist es schon heute ein Projekt mit Gewinn.

So erhöht die Energiewende das Bruttoinlandsprodukt um 8,6 Milliarden Euro, schafft jährlich rund 28.000 zusätzliche Jobs und sichert 35.000 weitere. Die Einnahmen des Staates liegen trotz aller Förderungen pro Jahr ca. 1 Milliarde Euro höher – Geld, das zum Beispiel für den Ausbau von Kitas oder die Sanierung von Straßen bereitsteht.

Nicht von der Hand zu weisen ist zwar, was ein Jeder an seiner Stromrechnung ablesen kann: Durch EEG-Umlage und Co. ist das Leben in Deutschland zunächst teurer geworden. Doch zeigen die Institute, dass die Energiewende die Kosten in den letzten 5 Jahren nur um durchschnittlich 0,16 Prozentpunkte pro Jahr steigen ließ (in der Produktion um 0,2). 

Mehr Investitionen, mehr Umsatz, mehr Jobs – wer prophezeite, dass Klimaschutz und Wirtschaft einander ausschließen, muss langsam umdenken. Blickt man auf die Daten, besteht kein Grund zur Sorge, dass Deutschland mit der Energiewende verliert. Sie mag nicht allen passen und für Viele manchmal unbequem sein, aber sie lohnt sich – nicht nur fürs Klima.

Nirgends wird das so deutlich wie an der Nordseeküste, wo Schafe unter Windparks grasen, die Netze auch bei 80 Prozent Ökostrom sicher und stabil sind – und viele Menschen zwischen Tradition und Hightech neue Perspektiven gefunden haben.

Wie fanden Sie diesen Artikel?

19 Bewertungen
Vorheriger Artikel: Elektro­mobilität: Die Energie­wende geht auf die Straße
Nächster Artikel: Deutschlands Energiewende-Regionen: So schneiden die Bundesländer ab