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Das nächste Kapitel für Solarspeicher?

Der Markt für Speicher, die echte Eigenversorgung aus Sonnenstrom ermöglichen, wächst. Eine Innovation aus Oldenburg verspricht deutlich mehr Leistung zu Kosten, die die Stromnutzung vom Dach wirtschaftlicher machen.

Für die Sonnenenergie in Deutschland bricht ein neues Zeitalter an: Ab 2020 läuft für immer mehr Photovoltaikanlagen die Förderung nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) aus – erhalten sie für ihren eingespeisten Strom jedoch nur noch den Marktpreis, rechnen sie sich meist nicht mehr. Gleichzeitig wird aber die Technik, ihren Strom zu speichern und selbst zu nutzen, leistungsfähiger und günstiger. So entsteht eine spannende Perspektive: Sich mit eigenem Strom vom Dach zu versorgen, lohnt sich häufig – nicht nur bei älteren Solardächern, die nicht mehr gefördert werden, sondern auch bei neuen Anlagen, deren EEG-Fördersätze niedriger liegen.

Was bei Speichern zählt: Preis, Kapazität, Haltbarkeit

Ab wann ein solcher „Hausspeicher“ wirtschaftlich Sinn macht, entscheidet sich zum einen an seinem Preis, zum anderen daran, wie viel Strom er speichern kann und wie lange er hält. Aktuell arbeiten die Batterien auf der Grundlage von Blei oder Lithium. Blei-Akkus sind verhältnismäßig günstig, doch ihre Leistung nimmt mit der Zeit deutlich ab. Lithium-Ionen-Batterien können rund doppelt so lange verwendet werden, kosten allerdings auch erheblich mehr.

Während gerade für diese neuere Technik die Preise weiter sinken, bleiben leistungsfähige Speicher zum Schnäppchenpreis vorerst ein Traum – der Schritt zum Energie-Selbstversorger wird auf absehbare Zeit einer bleiben, der sich erst nach mehreren Jahren rentiert. Daher ist es umso wichtiger, wie lange der Akku – als kostspieligstes Puzzlestück der Energie-Autarkie – hält, und wieviel Eigenverbrauch er tatsächlich ermöglicht.

Innovation: Speicher länger nutzen – nicht nur in der Industrie

Eine neue Technik könnte gerade in dieser Frage das nächste Kapitel für Hausspeicher aufschlagen: Batterien, die das Metall Vanadium als Salz in einer flüssigen Lösung nutzen, können noch einmal mehr als doppelt so lange genutzt werden wie Lithium-Ionen Batterien, und lassen sich in beinahe jeder denkbaren Leistungsstufe produzieren. Bisher waren solche sogenannten Redox-Flow Akkus jedoch sehr sperrig und deutlich teurer.  Anwendung fanden sie daher nur in der Industrie, wo größere Energiemengen gespeichert werden müssen.

Dem Team des EWE-Forschungszentrums NEXT ENERGY ist nun ein Durchbruch gelungen, der Häuslebauer und Gewerbe aufhorchen lassen sollte: das EWE-geförderte An-Institut der Universität Oldenburg will einen Vanadium-Speicher auf den Markt bringen, der sich problemlos in Keller oder Hauswirtschaftsräume einfügt – und sich auf dem Preisniveau heutiger Lithium-Ionen-Batterien bewegt.

„Der Schlüssel liegt in einem neuen Konzept zur Abdichtung der Flüssigspeicher – mit technischen Innovationen konnten wir die Fertigung der zentralen Wandlungseinheit stark vereinfachen und Größe und Gewicht deutlich verringern“, berichtet Projektleiter Jan grosse Austing.

Vanadium-Redox-Flow-Hausspeicher von NEXT ENERGY

Redox-Flow für alle? Ab 2017 soll das wahr werden

Vorgestellt wurde die Innovation gerade auf der Hannover Messe. Gefördert von Bundeswirtschaftsministerium und EU, will das NEXT ENERGY Team in den nächsten zwei Jahren den Prototyp zur Serienreife entwickeln und schon ab 2017 über ein eigenes Unternehmen herstellen und vermarkten.

Bestätigen sich die Ergebnisse aus den jahrelangen Forschungs-, Entwicklungs- und Testarbeiten, werden Haushalte dann viel länger mit Strom vom Hausdach sparen können. Für Menschen, die nicht nur an die nächsten fünf Jahre denken, wird die eigene Solaranlage so wirtschaftlich deutlich attraktiver – auch ohne EEG-Förderung.

Chancen nicht nur für Haushalte

Da die langlebigen Redox-Flow-Batterien verhältnismäßig günstig auch in größeren Varianten hergestellt werden können, wird die neue Technik zudem nicht nur für Hauseigentümer interessant, sondern auch für Landwirte mit Photovoltaik oder Gewerbebetriebe, die auf Solardächer setzen.

Nicht zuletzt bieten Redox-Flow Batterien einen Lichtblick für die Umwelt: da die verwendeten Vanadiumsalze für verschiedene Zwecke wiederverwendet werden können, lässt sich die Speicherflüssigkeit weitgehend recyclen – ein wichtiger Punkt in Zeiten, in denen die Ökobilanz von Batteriespeichern immer häufiger diskutiert wird.

In den nächsten Jahren gibt es also einen Grund mehr, den Blick auf Oldenburg zu richten – die niedersächsische Universitätsstadt mag vielleicht keine Metropole sein, doch im Rennen um die Lösungen der Energiezukunft ist man hier vorne dabei!

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